Astrologie und Homöopathie (01.9.03)

Astrologie und Homöopathie (01.9.03)

Artikel von Andreas Bunkahle

Bereits in den 80er Jahren war Wolfgang Döbereiner der Vorreiter, der versucht hat, die Kunst der Astrologie mit der der Homöopathie in Verbindung zu bringen. Wolfgang Döbereiner ging dabei die Verknüpfungen dieser beiden Künste in einer Art und Weise an, die zeigt, daß er vom astrologischen Standpunkt aus dachte und kombinierte. Döbereiner war und ist kein Homöopath, schon gar nicht ein Homöopath der Klassischen Homöopathie. Die Klassische Homöopathie zeichnet sich nämlich dadurch aus, daß sie in der Regel bestrebt ist, möglichst nur 1 oder maximal 2 Homöopathische Medikamente zur selben Zeit zu verschreiben. Es ist durchaus verständlich, warum Döbereiner dieser Richtung nicht folgen wollte bzw. nicht folgen konnte.


Wer astrologisch arbeitet, weiß daß ein Horoskop eine durchaus komplexe Spur aufweisen kann. Wir haben es hier nicht mit Einzeleinflüssen zu tun, sondern mit vielen Faktoren, die untereinander verbunden sein können, sich gegenseitig beeinflussen und den Einfluß stärken oder auch abschwächen können. Insofern erscheint auf den ersten Blick eine Verbindung von Klassischer Homöopathie und Astrologie kaum möglich zu sein. Auf der astrologischen Seite sind komplexe Strukturen vorhanden und auf der homöopathischen Seite finden wir in der Regel nur einzelne homöopathische Mittel. Döbereiner zog hieraus den Schluß, daß es nach astrologischen Kriterien verfehlt wäre, nur ein einziges homöopathisches Mittel zu verschreiben, da im Horoskop vielfältigste Einflüsse sich zeigen. Konsequenterweise schlüsselte er alle astrologischen Einflüsse eines Horoskops in Homöopathische Arzneien auf und verfocht damit die sogenannte Komplexhomöopathie.


Nicht notwendigerweise ist dies die Lösung zu dem Problem um Homöopathie und Astrologie miteinander zu verknüpfen. Döbereiner ging davon aus, daß jedes homöopathische Arzneimittel genau durch eine astrologische Konstellation beschrieben werden könnte. Eine astrologische Konstellation definiert er so, daß es sich um 2 Planetenprinzipien handelt, wie z.B. Mars und Saturn oder Uranus und Neptun, die er nach der Signatur der homöopathischen Mittel bestimmten homöopathischen Mitteln zuordnet. Konstellation heißt weiterhin auch die Verbindung von Tierkreis, Haus und Planetenprinzipien miteinander. Döbereiner geht der Einfachheit halber hin, und reduziert astrologische Elemente und Faktoren auf die Planetenprinzipien. Beispielsweise reduziert er die Stellung des Mars im Zeichen Steinbock auf die Konstellation Mars/ Saturn. Steht der Saturn im 4. Haus, so setzt er diese Konstellation als Mond/Saturn um. Stehen 2 Planeten in Opposition, zum Beispiel Uranus und Mars so wird dies auf die Konstellation Mars/Uranus ohne Berücksichtigung des Planetenaspekts reduziert. Dies hat den Vorteil, daß astrologische Gegebenheiten in einer Art Symbolsprache leichter erfasst und auch homöopathisch umgesetzt werden können.


Grundlegend dabei ist immer, daß ein homöopathisches Medikament durch eine astrologische Konstellation beschrieben werden kann und nur durch diese. Genau an dieser Stelle ist aber der Denkfehler. Denn geht man in der Regel davon aus, daß jede astrologische Konstellation in Form Faktor-X/Faktor-Y einem oder mehreren homöopathischen Medikamenten entspricht, so kommt man bei rund 500 bekannten homöopathischen Arzneimitteln, die in den gängigen Materia Medicas behandelt werden, in die Schwierigkeit, daß diese aber allesamt nicht identisch sind, sondern von denen jedes einzelne eine ihm eigene Symptomatik besitzt. Geht man nun hin und ordnet diese 500 Mittel den astrologischen Konstellationen zu, so findet man rein rechnerisch heraus, daß bei der Grundannahme lediglich von Zweier-Konstellationen es gar nicht so viele verschiedene Konstellationen geben kann wie Mittel. Denn bei 10 Planeten (Sonne, Mond, Merkur, Venus, Mars, Jupiter; Saturn, Uranus, Neptun, Pluto) sind lediglich 9+8 +7+6+5+4+3+2+1= 45 Kombinationen möglich. Der Schluß, der hier naheliegt, ist einfach: Arzneimittelzuordnungen zu astrologischen Konstellationen müßten recht differenziert sein, um ein Mittel in seiner Spezifität zu erfassen. Nicht lediglich Zweier-Kombinationen als vielmehr auch Zuordnungen zu Dreier- und Mehrfachkombinationen müßten erfolgen. Als Beispiel möge hier die Kombination Saturn/Neptun dienen. Diese entspricht nach der mittlerweile allgemeinen Auffassungen der astromedizinischen Praktiker in Deutschland, die die Angabe von Döbereiner übernahmen, sowohl den Mitteln Lycopodium als auch Sepia. Lycopodium und Sepia sind nun aber deutlich unterscheidbare Mittel sowohl von der Essenz wie auch von der Symptomatik. Wo liegt rein astrologisch gesehen da dann der Unterschied? Studiert man beide Mittel eingehend anhand der Vorgehensweise der Homöopathieschulen von Bad Boll oder nach der Athener Schule von Vithoulkas, so läßt sich eine klare Essenz erkennen. Diese läßt sich auch astrologisch in Form von Konstellationen ausdrücken. Lycopodium entspricht nach meiner Zuordnung der Konstellation Chiron/Saturn/Uranus und Sepia entspricht der Konstellation Saturn/Neptun und Pluto/Uranus. Einerseits konnte ich beim Studium der Arzneien erkennen, daß die Zuordnungen von Döbereiner oftmals meiner Erfahrung nach nicht richtig waren, und zum anderen, daß er die Besonderheit und Einmaligkeit der Arzneien nur ungenügend in Zweier-Konstellationen differenzieren konnte. In den meisten Fällen ist eine Differenzierung nur durch Mehrfachkonstellationen möglich.

Dies führte zu intensiven Forschungen meinerseits und der Bestrebung, eine Übersicht über astrologische Zusammenhänge und homöopathische Arzneien aufzustellen.


Daraus entstand das „ Medizinisch Astrologische Repertorium und die astrologische Materia Medica“. In diesem Werk gehe ich einen gänzlich anderen Weg als den, den Döbereiner eingeschlagen hat. Zum einen blieb diesem Werk ein intensives Arzneimittelstudium der Homöopathischen Materia Medica zugrunde. Dadurch entstanden viele Arzneimittelzuordnungen zu astrologischen Konstellationen. Auf der anderen Seite wurde mir durch die Beschäftigung mit Astrologie und Homöopathie immer klarer, daß es äußerst schwierig ist bei einer vorliegenden Krankheit ein Arzneimittel aus dem Horoskop direkt zu erkennen. Das hat damit zu tun, daß eine Erkrankung akut oder chronisch sein kann. Liegt eine chronische Erkrankung vor so würde man das Radixhoroskop zu Rate ziehen, während bei akuten Krankheiten eher Transite oder Direktion in Frage kämen. Wenn aber eine Erkrankung festgestellt wurde, ist in der Regel nicht erkennbar, wo im Horoskop oder in den Hilfshoroskopen oder in den Transiten die Krankheit zu lokalisieren ist. Deswegen bin ich einen gänzlich anderen Weg gegangen, der sich sehr stark an der homöopathischen Herangehensweise orientiert.


Diese Vorgehensweise gestaltet sich wie folgt:


Zunächst einmal wird der Patient wie in einer homöopathischen Anamnese über seine Leiden befragt. Diese werden aufgelistet und dann Anhand des Medizinisch Astrologischen Repertoriums auf die dahinterliegenden astrologischen Konstellationen untersucht. Veranschaulichen wir dies an einem Beispielfall. Eine Frau käme in die Praxis und die Anamnese würde folgende, deutlichen Hauptsymptome ergeben:


Fall:

1. Sie kommt wegen heftiger, reißender Schmerzen während der Menses. Die Menses fließt spärlich und die Genitalien sind eher trocken und dadurch reizbar. Sie ist vor der Menses häufig sehr reizbar und verträgt Anstrengungen nur schlecht, ist dann häufig auch gereizt bis zornig. Auf die Gemütssymptome angesprochen stellt sich heraus, daß sie als eine im Leben stehende Geschäftsfrau zwar sehr ambitioniert, häufig aber sehr überlastet ist. Sie unternimmt gelegentlich Dinge, die Sie in ihrem Ausgang so nicht richtig abschätzen kann und ist häufig deswegen frustriert. Sie steht in ihrem Beruf in starker Konkurrenz zu männlichen Mitarbeitern. Sie versucht durch ihre berufliche Tätigkeit ihren eigenen Ehemann eher etwas auf Distanz zu halten, Geschlechtsverkehr mit ihm kann sie nur schwer genießen, hat nach dem Coitus Angstgefühle.


2. Der Behandler listet anhand des astrologischen Repertoriums die Symptome mit den dazugehörigen astrologischen Konstellationen auf:


Symptomatik

Konstellationsentsprechungen

Abneigung gegen,Ehemann, (Gemüt)

SA/NE, PL/UR, MO/SA ?, ME/SA ??

Angst,Coitus,nach, (Gemüt)

SA/NE, PL/UR

Haß,Männer,auf, (Gemüt)

SA/UR, PL/UR, MO/SA, VE/SA/NE ?, VE/SA ?, VE/NE ?, SA/NE ?

Reizbar,Anstrengung,durch, (Gemüt)

SA/NE, PL/UR

Reizbar,Menses,vor, (Gemüt)

MA/SA!, SA/NE, MO/SA, SA/UR ?, ME/SA ?, MA/MO/SA ?, MA/MO ?

Unternehmen,unternimmt,unbeabsichtigte Dinge, (Gemüt)

SA/NE, PL/UR

Weibl. Genit.,Äußere Genitalien und Vulva,Trockenheit

SA/NE, PL/UR

Weibl. Genit.,Menses,spärlich

MA/SA!, MA/UR!, SA/UR!, VE/SA!, PL/UR!, MO/SA!, PL/SA!, UR/NE!, MO/UR!, MA/PL!, SA/NE!, SO/SA!, VE/NE!

Weibl. Genit.,Schmerzen der Genitalien,Empfindungen,Reißender Schmerz,Uterus,Menses,während

PL/UR, MA/UR, SA/UR, SA/NE ?, MA/PL ?, MA/MO ?, MO/SA ?


3. Sodann wird untersucht, welche astrologischen Konstellationen, d.h. Ursachen, deutlich hinter den vordergründigen Symptomen der Anamnese stehen. Dies kann auch mit dem Computerprogramm Petosiris ausgewertet werden, welches die eher mühsame Handarbeit des Repertorisierens erleichtert.




(zum Vergrößern Grafik anklicken)

Listen wir die astrologischen Konstellationen, die für den Vorliegenden Fall in Frage kommen, auf, so erkennen wir sehr deutlich, daß vorrangig 2 Konstellationen als Ursache für die Vorliegenden Symptome in Frage kommen. Es handelt sich hier um die Konstellation Pluto/Uranus und Saturn/Neptun. Es ist nun möglich, anhand der Rubrik Konstellationsentsprechungen der Arzneimittel (KA) des Repertoriums schnell und direkt auf die möglichen Arzneien für die vorliegenden Konstellationen zu kommen. In der Liste finden wir für die Konstellation Pluto/Uranus in Kombination mit der Konstellation Saturn/Neptun verschiedene Arzneien wie die Ammonium-Salze, einige Kohlenstoffmittel (Carbo etc.) und einige weitere Arzneien. Um nun herauszufinden welche der Arzneien die für den vorliegenden Fall Richtige ist, werfen wir einen Blick in die Arzneimittelübersicht (AÜ) des Medizinisch Astrologischen Repertoriums. Einzig und allein Sepia hat direkt die Kombination von Pluto/Uranus und Saturn/Neptun. Auch hier kann das Computerprogramm Petosiris das Nachschlagen verkürzen bzw. erleichtern, da zur jeweils eingestellten Repertorisationsmethode (Polychrest/Essenzanalyse, Standardmittel, kleine Mittel) eine für den Fall passende Mittelempfehlung gegeben wird:



(zum Vergrößern Grafik anklicken)


4. Sepia wäre das Arzneimittel, welches vorrangig für den vorliegenden Fall in Betracht zu ziehen ist. In der Regel wird der Behandler sich an diesem Punkt noch einmal mit durch die Konsultation einer homöopathischen Materia Medica rückversichern, ob das errechnete Mittel auch in seinem Symptomenbild mit den vorliegenden Symptomen des Falls übereinstimmt.


Diese Vorgehensweise ermöglicht erstmalig die Fach- und Kunstgerechte Verknüpfung der Künste der Astrologie und Homöopathie miteinander ohne die eine oder die andere Kunst durch die andere zu vergewaltigen. Man sollte Homöopathie nämlich nicht nur vom astrologischen Standpunkt aus betreiben, wie es Wolfgang Döbereiner tut, sondern diese auch homöopathischen Grundsätzen unterwerfen. Insbesondere die Beschäftigung mit der Essenz oder der Idee eines Mittels als zentralen Angelpunkt im Auge zu behalten, was astrologisch ausgedrückt die Konstellationen des Mittels wären, scheint mir astromedizinisch mehr als notwendig. Den Weg in diese modernere Form der Homöopathie haben da insbesondere die sogenannte Boller Schule bzw. Boller Richtung und die griechische Schule nach Vithoulkas geebnet. Zur Meisterung der Künste ist das Studium beider Richtungen unerläßlich.


Information zu dem Medizinisch Astrologischen Repertorium und der astrologischen Materia Medica als auch zu dem Computerprogramm Petosiris bekommen sie beim Autoren Andreas Bunkahle. Adresse und Email: Impressum und online speziell zu den Themen:
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